Varizellen

Neben der Impfung im Kindesalter wird eine Impfung seronegativer Patienten vor einer geplanten Immunsuppression empfohlen. Ungeimpfte Personen mit negativer Varizellenanamnese sollten nach Kontakt mit an Windpocken Erkrankten eine postexpositionelle Prophylaxe durch eine aktive Impfung erhalten. Bei Schwangeren und immunsupprimierten Patienten ist in diesem Fall eine Immunglobulingabe indiziert.

Typhus

Ein Schutz vor Typhus wird vor allem bei Reisen in Endemiegebiete empfohlen. Hierfür steht sowohl ein oraler Lebendimpfstoff als auch ein Totimpfstoff zur Verfügung. Im Hinblick auf MS gibt es keine ausreichenden Untersuchungen zur Verträglichkeit. Allerdings sollte der Totimpfstoff aus prinzipiellen Erwägungen dem Lebendimpfstoff vorgezogen werden, wenn eine Impfung bei Patienten mit MS indiziert ist.

Tollwut

Der auf humanen diploiden Zellen oder Hühnerfibroblasten gezüchtete Totimpfstoff ist im Vergleich zu den früher verwendeten auf Nervengewebe gezüchteten Tollwutviren deutlich besser verträglich. Aus der Zeit vor der Einführung der jetzt verwendeten Impfstoffe existieren Einzelfallberichte über mögliche negative Auswirkungen auf eine MS-Erkrankung. Wegen letalen Verlaufs nach einer Infektion, beispielsweise durch den Biss eines tollwütigen Tieres, muss unbedingt eine aktive Immunisierung und gegebenenfalls simultan eine passive Immunglobulingabe erfolgen.

Tetanus

Der Tetanusimpfstoff besitzt eine gute Immunogenität und wird meist in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht. Nach einer Untersuchung an 623 in der europäischen Datenbank für Multiple Sklerose erfassten Patienten war das Risiko, einen MS-Schub nach einer Tetanusimpfung zu erleiden, nicht erhöht.

Rotavirus

Für Säuglinge sind zwei Lebendimpfstoffe verfügbar, eine Impfung wird allerdings nicht allgemein empfohlen. Immunsupprimierte Patienten sollten bei Kontakt zu frisch geimpften Säuglingen sorgfältige Hygienemaßnahmen einhalten, da die Impfviren vom Säugling noch mehr als eine Woche nach der Impfung ausgeschieden werden können.

Poliomyelitis

Nachdem Deutschland als poliofrei gilt, ist eine Auffrischung der Schutzimpfung gegen Poliomyelitis im Erwachsenenalter nicht notwendig. Lediglich bei Reisen in Endemiegebiete ist eine Auffrischung ratsam. Die Datenlage zur Risikobeurteilung bei MS für den in Deutschland verwendeten Totimpfstoff (IPV) wie auch für den früher verwendeten Lebendimpfstoff (Sabin) ist nicht ausreichend. In einer prospektiven Untersuchung von 20 Patienten, die mit dem Sabin-Lebendimpfstoff behandelt wurden, zeigte sich kein Hinweis auf eine Verschlechterung der MS.

Pneumokokken

Eine Impfung gegen Pneumokokken wird von der STIKO für Patienten ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Zudem besteht für Patienten mit Asplenie oder eingeschränktem Immunsystem ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Vor einer geplanten immunmodulatorischen Therapie der MS sollte deshalb eine Impfung in Betracht gezogen werden, auch wenn Studien zur Verträglichkeit der Impfung bei MS fehlen.

Pertussis

Die STIKO hat im Juli 2006 ihre Empfehlungen erweitert und empfiehlt wegen der zunehmenden Inzidenz der Erkrankung nach der Grundimmunisierung eine zusätzliche Boosterung im 5. bis 6. Lebensjahr sowie eine regelmäßige Auffrischungen bei Jugendlichen. Erwachsene mit Kontakt zu Kleinkindern sollten Auffrischungen möglichst alle zehn Jahre als tetravalente Impfungen mit Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis und Pertussis erhalten. Studien, die das Risiko einer Exazerbation von MS bewerten, existieren nicht.

Meningokokken

Bei Kindern ist eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C allgemein empfohlen. Bei Reisen in Endemiegebiete soll die Impfung (möglichst gegen die Seroguppen A, C, W135, Y) ebenso durchgeführt werden wie bei Personen mit Asplenie, Komplementdefekten oder Hypogammaglobulinämie. Auch MS-Patienten wird bei entsprechender Indikation zur einer Meningokokken-Impfung geraten.

Masern, Mumps, Röteln

Die Impfung erwachsener MS-Patienten gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zeigte in einer Untersuchung kein erhöhtes Risiko für eine Schubauslösung. Schwere Komplikationen wie masernähnliche Krankheitsbilder wurden allerdings bei immunsupprimierten Patienten beobachtet. Daher sollten MS-Patienten während einer laufenden immunsuppressiven Therapie nicht gegen Masern geimpft werden.